Nachdem deine Jungpflanzen jetzt wochenlang komfortabel indoor heranwachsen konnten, müssen sie sich erst langsam an die Outdoor-Bedingungen gewöhnen. Sonst können sie schlimmstenfalls komplett eingehen.
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Warum man Jungpflanzen erst abhärten muss
Die meisten Hobbygärtner ziehen ihre Jungpflanzen einfach auf der Fensterbank vor, ggf. auch mit Hilfe von zusätzlichem Kunstlicht. Die Bedingungen sind dort weitestgehend konstant und ändern sich im Tagesverlauf wenig. Reize gibt es kaum.
Deine Pflanzen sind daher nicht gewohnt an:
- Direktes Sonnenlicht
- Wind und Regen
- Temperaturschwankungen
Selbst, wenn du eine Pflanzenlampe verwendet hast, sind deine Pflanzen an direktes UV-Licht unter freiem Himmel nicht angepasst.
Das kann passieren, wenn du Pflanzen ohne Abhärten rauspflanzt
Vor allem 4 Folgen können deine Jungpflanzen empfindlich schwächen:
Sonnenbrand

In meinem ersten Gartenjahr haben meine bis dahin kräftigen Gurkenpflanzen Sonnenbrand bekommen. Ich hatte sie einfach von einem Tag auf den nächsten ins Beet gepflanzt und wusste nicht, dass das passieren kann. Die Blätter werden gelb-braun und trocknen von den Rändern her ein. Ist noch genug gesundes Blattwerk übrig, kann die Pflanze sich davon erholen. Bei noch kleinen Pflanzen mit wenigen oder kleinen Blättern kann der erste Sonnenbrand aber auch schon das Ende der Pflanze bedeuten.
Temperaturschock
Indoor haben die Pflanzen meistens auch konstante Temperaturen. Draußen kühlt es aber nachts deutlich ab, während es in der prallen Sonne sehr heiß werden kann. Die Pflanze ist diese Temperaturen genauso wenig gewöhnt, wie den Wechsel zwischen ihnen. Deshalb solltest du ihr bei einer allmählichen Akklimatisierung und Abhärtung helfen.
Wind & Regen
Ist es sehr windig oder kommt ein heftiger Regenguss herunter, können die Jungpflanzen leicht abknicken – vor allem, wenn die Pflanzen etwas vergeilt sind. Da Gewebe der Stängel ist noch empfindlich und nicht gewöhnt, sich im Wind zu wiegen und prasselnden Regen abzubekommen.
Geschwächtes Wurzelwachstum
Und wäre das alles nicht schon stressig genug für deine Gemüsepflanzen, geht es noch weiter. Die Pflanzen stecken all ihre Energie in die Anpassung und versuchen die Schäden durch die obigen Faktoren zu reparieren. Eigentlich bräuchten sie diese Energie aber, um ein kräftiges Wurzelsystem auszubilden – was dann leider zu kurz kommt. Die Pflanze kann weiter geschwächt werden und das Wachstum stagnieren.
So funktioniert das Pflanzen abhärten Schritt-für-Schritt
Am besten gelingt der Übergang ins Freiland, wenn du dir mindestens 1 bis 2 Wochen Zeit zum Jungpflanzen Abhärten nimmst.
Phase 1:
An den ersten 1 bis 3 Tagen stelle ich die Pflanzen tagsüber für kurze Zeit nach draußen. An Tag 1 nur eine halbe Stunde, dann auch mal 2, 3 Stunden.
Der Standort sollte noch nicht vollsonnig sein, sondern im Halbschatten liegen. Wenn das Wetter sehr windig ist, sollte er nicht zu stark in die Pflanzen fahren können. Regen setze ich sie in der Phase noch gar nicht aus.
Phase 2:
Haben die Pflanzen die ersten Tage gut verkraftet, bekommen sie erstmals volle Sonne. Erst nur eine Stunde am Tag, darauffolgend auch mal 2, 4 oder 6.
Phase 3:
Haben sie auch das überstanden, bleiben sie auch in den Nächten draußen. Bestenfalls stehen sie etwas erhöht statt direkt auf dem kalten Boden. Sie werden noch nicht fest ins Freiland gepflanzt, um sie im Falle von späten Nachtfrösten wieder hereinholen zu können.
Phase 4:
Jetzt können die Pflanzen ins Freiland. Sollten sie die ersten Tage trotz aller Vorbereitung Anzeichen von Anpassungsstörungen zeigen, ist es nicht ratsam, sie wieder auszupflanzen. Das würde noch mehr Stress bedeuten.
Besser ist es in diesem (unwahrscheinlichen) Fall, die z.B. mit einem Vlies etwas zu beschatten und vor Wind zu schützen. Mulch sorgt für die nötige Wärme.

