Eigentlich klingt es logisch: Jungpflanzen benötigen gerade nach dem Aufpflanzen ins Freiland besonders viele Nährstoffe und sollten gut versorgt werden. Also gibt man gleich reichlich Dünger direkt ins Pflanzloch und liefert damit von Anfang an wichtige Nährstoffe und Spurenelemente – oder spricht vielleicht doch etwas dagegen?
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Gesunde Pflanzen durch Dünger im Pflanzloch?
Googelt man ein bisschen umher, findet man teils sehr widersprüchliche Aussagen zum Einarbeiten von Dünger ins Pflanzloch. Die einen schwören darauf, die anderen beschreiben es als größte Todsünde im Beet. So pauschal kann man aber beides nicht sagen.
Es kommt stark auf den richtigen Dünger, die Menge und die Pflanzenart (Stauden, Zierpflanzen und andere Pflanzen im Garten haben andere Bedürfnisse als Gemüse) an. So ist es vielleicht auch zu erklären, wieso die Informationslage zu dieser Frage widersprüchlich zu sein scheint.
Faustregel für den Gartenalltag: Pflanzen brauchen Nährstoffe. Je naturbelassener und langsamer ein Dünger wirkt, desto sicherer die Gabe direkt ins Pflanzloch.
Zu unterscheiden sind vor allem mineralische und organische Düngemittel für Gemüse.
Schnell wirkende mineralische Stickstoffdünger
Hierunter fallen zum Beispiel Blaukorn, Stickstoff-Granulat und andere Volldünger (z.B. Flüssigdünger, die ins Gießwasser gegeben werden) mit hohem sofort verfügbarem Stickstoff. Theoretisch liefern sie deinen Gemüsepflanzen die wichtigsten Hauptnährstoffe. Es ist aber aus gleich mehreren Gründen keine gute Idee, sie direkt beim Auspflanzen als Dünger ins Pflanzloch zu geben:
Beim Düngen kann es zu Verbrennungen kommen und der Pflanze schaden
Je nach genutztem Düngemittel kann direkter Wurzelkontakt zu Verbrennungen führen. Wenn reichlich Dünger eingebracht wird, kann der Effekt so stark sein, dass das Pflanzenwachstum stockt oder die Pflanze ganz eingeht.
Durch diese Überdüngung und die entstehenden Verbrennungen kann die Pflanze nämlich schlechter Nährstoffe und Wasser aufnehmen, als hätte man gar nicht gedüngt. Und das, wo du deine doch eigentlich deine Pflanzen zum Wachsen anregen wolltest.
Lokale pH- oder Salzprobleme im Boden durch Düngung
Manche Dünger verändern den pH-Wert im unmittelbaren Wurzelbereich und/oder erhöhen die Salzkonzentration stark. Kritisch sind hierbei vor allem Blaukorn, NPK-Dünger (NPK = Stickstoff, Phosphor und Kalium) und Kalidünger mit hohem Gehalt an Kalium.
Durch osmotischen Stress können die Pflanzen regelrecht verdursten, selbst wenn sie ausreichend gegossen werden. Vor allem, wenn du mineralische Dünger unverdünnt ins Pflanzloch ausbringen würdest, reagieren Jungpflanzen besonders empfindlich.
Organische Dünger ins Pflanzloch geben (z.B. Hornspäne)
Deutlich ungefährlicher ist organisch Düngen mit Hornspäne, Urgesteinsmehl oder Schafwolle (z.B. als Pellets). Diese Pflanzendünger sind nicht nur Naturdünger, sondern auch als Langzeitdünger geeignet. So ein organischer Langzeitdünger setzt seine düngen nicht sofort mit voller Kraft, sondern eher langfristig, wenn Bodenlebewesen und Mikrolebewesen sie allmählich zersetzen.
In den ersten Tagen nach dem Auspflanzen werden die Jungpflanzen dadurch daher kaum mit zusätzlichen Nährstoffen versorgt, mit der Zeit jedoch schon. Auch zu Verbrennungen kann es auf diese Weise nicht kommen.
Fäulnisgefahr bei organischen Düngern und frischem Kompost
Eine Ausnahme sind frischer Mist, nicht ausgereifter Kompost oder große Mengen organischer Substanz. Tief im Loch können diese Substanzen unter Luftabschluss sich weiter zersetzen und Wurzeln schädigen.
Die Pflanze hat weniger Anreiz, starke Wurzeln auszubilden
Gerade zu Beginn sollen die Pflanzen gut anwachsen und ein kräftiges Wurzelwerk ausbilden. Nur so können sie sich dann später selbst gut mit Wasser und Nährstoffen aus dem Boden versorgen. Zu viel Stickstoff regt am Anfang aber eher die Bildung oberflächlicher Wurzeln an. Wir wollen jedoch gesunde Pflanzen, die möglichst tief wurzeln.
Und das funktioniert am besten, wenn sie noch ein bisschen nach Nährstoffen und Wasser „suchen“ müssen. Verwöhnt man sie von Anfang an, haben sie durch diesen Überfluss weniger den Anreiz zu einem Wurzelwerk auszubauen.
Richtig Düngen per Sandwich-Methode
Etwas austricksen kannst du deine Pflanzen, indem du das Pflanzloch schichtest. Dafür gräbst du es etwas tiefer als nötig. Ganz unten gibst du den organischen Dünger hinein, dann wieder eine Schicht Erde und dann erst deine Pflanze. Der Wurzelballen sitzt dadurch nicht direkt in gedüngter Erde. Da der Dünger sich um die Pflanzen herum befindet, müssen die Wurzeln trotzdem noch etwas „suchen“.
Wenn die Pflanze gut angewachsen ist und weiter wächst – also genau dann, wenn sie wirklich die Extraportion Nährstoffe benötigt – erreichen die Wurzeln dann die tiefere Erdschicht mit dem organischen Dünger und sind gut versorgt.
Was beim Auspflanzen sonst noch zu beachten ist, liest du im Beitrag Jungpflanzen auspflanzen: 10 Tipps & Tricks.

