Inzwischen säe ich viele Saaten für meinen Gemüseanbau zunächst auf feuchtem Küchenpapier aus. Wie ich das mache und vor allem warum, lest ihr in diesem Blogbeitrag.
Inhaltsverzeichnis
Warum das Ganze?
Die Idee dahinter ist eigentlich banal: Samen keimen nach einigen Tagen (seltener Wochen), wenn sie feucht werden. Lichtkeimer, wenn sie es zusätzlich hell genug haben. Erde wird dafür erstmal gar keine gebraucht, weshalb man sie anfangs auch einfach ganz weglassen kann. Die Vorteile sind:
Keimkontrolle
Man bringt letztlich nur die Samen in Erde, die Power haben und wirklich die nötige Keimfähigkeit besitzen. In meinen Anzuchtplatten gibt es somit keine Töpfchen mehr, die leer leiben, weil einfach einzelne Samen nicht gekeimt sind. Nicht keimfähige Samen können gezielter aussortiert werden.
Kein Pikieren notwendig
Um Ausfälle zu vermeiden, können auch mehrere Samen in ein Töpfchen gesät werden. Keimen dann aber alle, muss pikiert werden (sofern man keine Keimlinge wegwerfen will). Diese Feinarbeit vermeidet man, wenn man von vornherein nur einen bereits vorgekeimten Samen pro Topf einpflanzt.
Platzsparend
Gerade, wenn man nur wenig Platz auf einer sonnigen Fensterbank hat, ist jeder Stellplatz Gold wert. Daher ist es umso wichtiger, überflüssige – da aufgrund fehlender Keimung leere – Töpfe zu vermeiden
Zeitersparnis
Vor allem bei Saaten mit langer Keimdauer kann die Ausasat auf Papier wertvoll sein.

Gurken oder Zucchini beispielsweise keimen recht schnell. Oft sieht man schon nach 2 bis 3 Tagen, ob ein Samen keimt oder nicht. Wenn nicht, sät man einfach nochmal nach und hat kaum Zeit verloren.
Es gibt aber auch Samen, die grundsätzlich 10, 14 oder mehr Tage brauchen, um zu keimen (z.B. einige Kohlsorten oder Physalis). Wenn man ohnehin schon spät dran ist, ist es ärgerlich, wenn einem erst nach 2,3 Wochen dämmert, dass da wohl nichts mehr kommt. Manchmal ist es dann sogar zu spät, um nochmal neu auszusäen. Wer schon vorher auf Papier vorgekeimt hat, kann sich relativ sicher sein, dass die Pflänzchen sich auch alle gut entwickeln (gute Pflege nach der Keimung natürlich vorausgesetzt).
Wann es nicht ratsam ist
Bei sehr großen Mengen an Aussaaten ist es diese Methode nicht mehr effizient. Auch mache Gemüsesorten, die ohnehin fast nur per Direktsaat in den Boden kommen, kommen für diese Methode eher nicht in Betracht.
Ein gutes Beispiel dafür sind Möhren und Pflücksalate, die man einfach breiwürfig aussäen kann und Ausfälle in der Praxis kaum ein Problem sind. Sie sind außerdem so klein und fein, dass sie schwer zu handhaben sind und Wurzeln sich leicht im Papier verheddern (und beim Lösen kaputt gehen).
Auch unkomplizierte, schnelle Keimer wie Radieschen setze ich sofort in Erde.
Wie es funktioniert
Es könnte kaum simpler sein: Eine beliebige Schale, ein paar Blatt Küchenrolle (Toilettenpapier tut es auch, zerfällt allerdings leichter) und das Saatgut.
Die Küchenrolle lege ich doppelt und besprühe sie dann so mit Wasser, dass sie schön durchfeuchtet ist. Dann wird das Saatgut einfach aufgelegt und allenfalls nochmal leicht besprüht – fertig. Am Schluss spanne ich noch eine Frischhaltefolie darüber und steche sie ein paar Mal mit einer Gabel o.ä. ein. So trocknet das Papier nicht gleich wieder ab, aber es ist ein wenig Luftaustausch möglich.
Es sollte immer so viel Feuchtigkeit enthalten sein, dass das Papier feucht bleibt. Triefend nass sollte es nicht sein, es sollten also keine Pfützen im Behälter stehen.
Achtung: Lichtkeimer vs. Dunkelkeimer
Es funktioniert auch mit Dunkelkeimern bestens – man muss die Behälter mit dem Papier darin einfach nur möglichst dunkel abdecken. Das ist der einzige Unterschied. Ich spanne einfach Alufolie darüber.
Nach der Keimung

Sobald zarte Keime zu sehen sind, kommen die Samen dann schließlich in Erde. Es werden einfach die gewohnten Aussaattiefen angewendet (meist dünn mit Erde bedecken oder 1 cm tief bei Lichtkeimern, 2-3 cm bei Dunkelkeimern).
Ein paar Tage Zeit hat man bei den meisten Saaten. Länger würde ich nicht warten, denn dann verwachsen die kleinen Wurzeln schnell mit dem Papier und es wird fummeliger, sie unbeschadet in die Erde zu setzen.
Schimmelt das nicht?
Wenn man mit sauberen Händen, sauberen Gefäßen und sauberer Küchenrolle sowie zusätzlich wirklich nur so viel Feuchtigkeit einbringt, wie das Papier gerade so aufsaugen kann, ist das Risiko sehr gering. Es ist sogar geringer als in Erde, da bei der Papier-Methode eine bessere Feuchtigkeitsregulierung möglich ist.
Sollte es doch mal einen leichten Flaum geben, ist das aber in der Regel nicht schlimm. Die Pflanze wird sich nach dem Setzen in Erde dennoch gesund entwickeln, einige wenige Schimmelsporen befinden sich ohnehin überall in der Umgebung und in der Erde.

