Vor etwa 4 Jahren ging es los: Kopfsalate, die am Vortag noch frisch und in sattem Grün im Beet wuchsen, lagen einen Tag später schlapp auf der Erde. Der Übeltäter: Ein fetter Engerling. Und er kam leider nicht allein…
Inhaltsverzeichnis
Verschiedene Engerlinge, ein Problem
Maikäfer, Junikäfer oder der Rosenkäfer: Sie alle entwickeln sich aus Engerlingen, die im Boden leben, sich von Wurzeln ernähren und sich auch ziemlich ähnlich sehen. Während die Larven des Rosenkäfers nur abgestorbene Pflanzenteile fressen und keine Gefahr für deine Gemüsepflanzen sind, machen sich die Larven des Mai- und Junikäfers bevorzug über frische Wurzeln her.

Gemüsepflanzen, die zügig ein großes Wurzelwerk ausbilden, tolerieren den ein oder anderen Engerling. Die fressen zwar einiges an Wurzeln ab, doch können der Pflanze kaum etwas anhaben, sobald sie einmal „in Schwung“ ist und gut angewachsen ist.
Salate, Radieschen, Jungpflanzen hingegen – keine Chance. Wenn auch nur ein einziger ausgewachsener Engerling sich an ihnen zu schaffen macht, wirst du die Pflanze bald schlaff auf dem Boden liegend vorfinden. Meisten sind sie dann kaum noch im Boden verankert, weil das Wurzelwerk komplett abgeknabbert wurde.
Die Engerlinge müssen also raus aus dem Boden.
Wie tief sind Engerlinge in der Erde?
Wie tief Engerlinge im Hochbeet und „normalen“ Beeten leben, hängt stark von der Witterung ab. Um sich im Winter vor Frost zu schützen, können sie sich bis zu 80 cm tief eingraben. Bei Wärme und nach starken Regen wandern sie weiter nach oben. Dann findet man sie oft in 20 bis 30 cm Tiefe. Wenn der Boden stark durchnässt ist, kommen sie sogar noch weiter hoch, denn Nässe mögen sie genauso wenig, wie starke Trockenheit.
Gießen mit Nematoden
Eine Möglichkeit, bei einem Massenbefall gegen die Störenfriede vorzugehen, ist das Gießen mit sogenannten Nematoden. Manche kennen sie vielleicht schon bei der Bekämpfung von Trauermücken (hier wird allerdings ein anderer Stamm gegossen, nämlich Steinernema feltiae, kurz SF-Nematoden). Gegen Engerlinge setzt man Heterorhabditis bacteriophora ein, kurz HB-Nematoden. Sie werden meist als Pulver geliefert und werden dann einfach ins Gießwasser gegeben und so in die Beete gebracht.
Nach der Anwendung muss der Boden konstant feucht gehalten werden. Sonst gehen die Nematoden ein, bevor sie „wirken“ können. Bei warmen, trockenem Wetter ist das aber a) relativ schwer und b) geht Zeit verloren. Zu kalt darf es auch nicht sein, sondern mindestens 12 bis 14 °C.
Bodenlebewesen wie Regenwürmer werden nicht geschädigt und auch deine Gemüsepflanzen stören sich nicht an den Nematoden im Boden. Frühe Larven-Stadien reagieren empfindlicher auf Nematoden, als schon recht große Engerlinge im dritten Stadium. Deshalb kann es sein, dass die Anwendung von Nematoden allein nicht genügt und du zusätzlich mechanisch vorgehen solltest.
Sieben, sieben, sieben
Dafür grabe ich etwa einen Spatenstich tief um – am besten ist der Boden feucht, dann halten sich auch die Engerlinge weiter oben auf. Es lohnt sich also, nach einem regnerischen Tag loszulegen.

In mühevoller Kleinarbeit sehe ich dann die Erde durch, Engerlinge werden rausgesammelt. Das dauert lange und ist anstrengend, hat sich aber in Jahren mit großem Befall als alternativlos erwiesen. Ich hatte teilweise 50 Engerlinge pro Pflanzkübel und mehrere hundert pro 2 x 1 m Beet gefunden.
Vor allem die späten Stadien wird man so deutlich besser los, denn gegen Nematoden sind diese relativ unempfindlich. Gleichzeitig fressen sie in diesem Stadium aber besonders viel und haben auch das größte Schadpotential. Jeder Engerlinge, der weggesammelt wurde, ist also ein Erfolg.
Gerüche, die Engerlinge nicht mögen
Einige Gerüche und Pflanzen können Engerlinge überhaupt nicht leiden. Diese allein vertreiben sie zwar in der Regel nicht, aber man kann sie zumindest dazu bringen, die betroffenen Bereiche eher zu meiden.
Besonders wirksam ist Knoblauch, dessen schwefelhaltiger Geruch die Larven ziemlich stört. Man kann Knoblauchzehen direkt in die Erde stecken oder Knoblauchpflanzen rund um die gefährdeten Stellen setzen. Auch getrockneter Kaffeesatz hat sich bewährt, da er Stoffe wie Koffein und Chlorogensäure enthält, die Engerlinge nicht mögen. Er wird einfach in die oberste Bodenschicht eingearbeitet oder mit dem Gießwasser ausgebracht und sollte regelmäßig erneuert werden.
Bestimmte Pflanzen wie Rittersporn und Geranien wirken ebenfalls abschreckend, weil ihre Wurzeln für die Larven giftig oder unangenehm sind. Ähnlich können Tagetes, Lavendel und Zwiebeln durch ihren intensiven Duft Bodenschädlinge stören.
Empfindliche Kulturen in Kästen und Töpfe
Pflücksalate und Radieschen sähe ich nur noch in Blumenkästen. Das reicht auch völlig aus für eine satte Ernte. Positiver Nebeneffekt: Ich habe im Freiland mehr Platz für andere Gemüsepflanzen, die das Freiland auch wirklich brauchen und ein robusteres Wurzelsystem ausbilden.

