Gemüsepflanzen richtig gießen: Wann, wie viel und wie oft?

Der Sommer hat gerade erst angefangen und damit die Hauptwachstumsphase deiner Pflanzen. Umso wichtiger ist es, dass sie auch während kommender Hitzeperioden gut mit der richtigen Menge Wasser versorgt sind.

Warum richtiges Gießen über die Ernte entscheidet

Wasser ist das Transportmittel Nummer eins im Gemüsebeet: Es bringt Nährstoffe aus dem Boden direkt in die Zellen deiner Pflanzen. Bekommt Gemüse zu wenig Wasser, stockt das Wachstum, Blüten fallen ab und Früchte verkümmern oder schmecken bitter (wie es oft bei Gurken oder Zucchini passiert).

Zu viel Wasser hingegen ertränkt die Wurzeln und sorgt für Fäulnis. Wer also den Dreh beim Gießen raushat, sichert sich gesunde, starke Pflanzen und schon bald saftiges Gemüse und eine reiche Ernte.

Wann Gemüse wirklich Wasser braucht

Gießen solltest du nicht vorsorglich, sondern nach Bedarf. Außerdem benötigen manche Gemüsepflanzen wenig Wasser, während andere richtig durstig sind. Das alles hängt auch stark davon ab, wie warm es ist, wie stark die Sonnenstrahlung ist, wann es das letzte Mal ordentlich geregnet hat und welche individuellen Wasserspeicherkapazitäten der jeweilige Boden hat.

  • Der Fingertest: Stecke deinen Zeigefinger etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Erde. Ist es dort trocken, muss gegossen werden.
  • Die Optik: Lassen Pflanzen bereits am frühen Morgen die Blätter hängen, herrscht Alarmstufe Rot. Dass sie mittags bei praller Sonne leicht schlappen, ist hingegen oft ein natürlicher Verdunstungsschutz.

Einmal richtig statt ständig ein bisschen

Wer seine Pflanzen täglich mit einer kleinen Dosis Wasser verwöhnt, erzieht sie zur Faulheit. Das Wasser dringt so nur in die oberste Bodenschicht ein, also sucht die Pflanze auch nur dort. Die Pflanze bildet ihre Wurzeln folglich auch nur oberflächlich aus – und schwächelt bei der kleinsten Hitzewelle, weil die oberste Erdschicht sofort austrocknet.

Tomaten beispielsweise kannst du beim Einpflanzen gut tiefersetzen und nach dem ersten kräftigen Angießen 1-2 Wochen gar nicht mehr wässern. Sind die Tomaten im tiefgründigen Boden gut angewurzelt, gieße ich sie manchmal die ganze Saison gar nicht mehr (außer es gibt ungewöhnlich lange, heiße Hitzewellen ohne Regen).

In den allermeisten Fällen ist aber zumindest ein tägliches Gießen nicht nötig. Im Gegenteil, es schadet sogar. Ein durchdringendes Gießen wiederum hält länger vor, selbst während einer Hitzewelle trocknet der Boden meist nicht tiefgründig innerhalb eines Tages wieder aus.

Ein Gießen alle 2 bis 3 Tage reicht meistens vollkommen aus. Auch noch selteneres Gießen ist möglich, vor allem bei Tiefwurzlern. Flachwurzler wie Salate hingegen kommen nicht viel länger ganz ohne Wasser aus.

Gemüse gießen morgens oder abends?

Auch wenn der Feierabend im Garten idyllisch ist – für dein Gemüse ist die Dusche am frühen Morgen (am besten zwischen 5 und 9 Uhr, bevor die Sonne brennt) der absolute Jackpot.

Warum morgens die beste Zeit ist

  • Pilzschutz: Die Blätter und die Erdoberfläche können tagsüber zügig abtrocknen. Das ist die beste Versicherung gegen Mehltau, Krautfäule bei Tomaten und andere Pilzkrankheiten.
  • Effizienz: Der Boden ist von der Nacht noch abgekühlt. Das Wasser verdunstet kaum und sickert direkt tief zu den Wurzeln.
  • Schnecken-Bremse: Schnecken lieben Feuchtigkeit und sind nachtaktiv. Wer abends gießt, baut ihnen quasi eine feuchte Rutschbahn direkt zum Salatbuffet. Morgens gießen lässt den Boden bis zum Abend oberflächlich abtrocknen, was den Schnecken den Weg erschwert.

Wenn es gar nicht anders geht, ist abends natürlich besser als gar nicht.

Verbrennen Blätter beim Gießen in der Mittagssonne?

Das mit dem Brennglas-Effekt ist tatsächlich in den allermeisten Fällen ein Mythos, der sich extrem hartnäckig hält. Botaniker der Universität Budapest haben das vor einigen Jahren sogar mal genau untersucht.

Das Ergebnis:

  • Flache Blätter: Auf normalen, glatten Blättern (wie bei den meisten Zimmer- oder Gartenpflanzen) können Wassertropfen die Sonne nicht so bündeln, dass das Blatt verbrennt. Der Brennpunkt liegt physikalisch gesehen fast immer unter oder hinter dem Blattgewebe. Zudem kühlt das Wasser das Blatt gleichzeitig ab.
  • Die einzige Ausnahme (Behaarung): Nur bei Pflanzen mit feinen Härchen auf den Blättern (wie zum Beispiel beim Rauen Alant oder manchen Farnen) werden die Tropfen durch die Haare in der Luft gehalten – also mit etwas Abstand zum Blatt. Dort kann der Brennpunkt dann genau auf der Blattoberfläche landen und tatsächlich minimale Verbrennungen verursachen.

Warum das Gießen mittags trotzdem eine schlechte Idee ist

Auch ohne den Brennglas-Effekt bleibt die Mittagshitze die schlechteste Zeit zum Gießen. Die anderen beiden Punkte wiegen nämlich viel schwerer:

  1. Die extreme Verdunstung: Ein Großteil des Gießwassers kann ungenutzt in der Luft verpuffen, wenn der Boden aufgeheizt ist.
  2. Der Kälteschock für die Wurzeln: Der plötzliche Temperatursturz durch kaltes Leitungswasser auf überhitzter Erde schädigt die empfindlichen Wurzelhärchen.

Mulchen nicht vergessen: Der einfachste Trick, um Feuchtigkeit zu speichern

Eine Schicht aus Rasenschnitt, Stroh, Laub oder angewelktem Unkraut auf dem Beet wirkt wie eine Isolationsschicht. Sie hält den Boden beschattet und kühl, reduziert die Verdunstung und hält die Erde locker und lebendig.

Wer mulcht, spart sich nicht nur viel Gießaufwand, sondern unterdrückt gleichzeitig auch lästiges Unkraut. Da es aber auch den ein oder anderen Nachteil gibt, liest du alles weitere im Beitrag Richtig Mulchen im Gemüsebeets.

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