Richtig Mulchen im Gemüsebeet: Materialien, Vorteile und Nachteile

Spätestens im Hochsommer bietet das Mulchen deiner Beete entscheidende Vorteile. Allerdings auch einige Nachteile. Womit du mulchen kannst und was du beachten solltest, liest du hier.

Was bedeutet es, den Boden zu mulchen?

Nach dem Abhärten deiner Jungpflanzen und dem richtigen Auspflanzen ins Freiland ist das Gröbste geschafft. Bestenfalls wachsen deine Pflanzen jetzt erstmal friedlich vor sich hin. Ein bisschen Gießen und Düngen hier und da, klar.

Aber die Gemüsebeete sind oft ziemlich nackt, vor allem wenn du sie sehr pflegst und Unkraut sofort entfernst. In der Natur ist das so eigentlich nicht vorgesehen. Im Wald beispielsweise findest du fast keinen „nackten“ Boden. Fast immer liegen darauf Laub, Äste und anderes natürliches Material.

Aus Ausbringen von Mulch – das Mulchen – schafft hier Abhilfe. Ob mit Laub oder Rasenschnitt: Mulchen bietet zahlreiche Vorteile auf einmal, allerdings auch den ein oder anderen Nachteil.

Vorteile beim Mulchen im Garten

Mulch schützt und verbessert die Erde im Garten vor allem unter den folgenden Gesichtspunkten:

Feuchtigkeitsregulierung

Mulchen schützt den Boden vor Austrocknung, denn die Verdunstung von Feuchtigkeit ist durch die Schutzschicht geringer. Dadurch bleibt die Erde feucht und du musst viel weniger gießen. Weil die Feuchtigkeit konstant verfügbar ist, bedeutet das für deine Pflanzen viel weniger Trockenstress zwischen den Gießrunden.

Du solltest das Mulchmaterial allerdings bei Bedarf lockern, damit es (vor allem Rasenschnitt) nicht verklumpt und wie ein Helm wirkt.

Weniger Unkraut

Unkraut bzw. Beikraut sind in Gemüsebeeten in der Regel unerwünscht. Mulch hilft auch, Unkraut zu unterdrücken. Weil kein Licht mehr an die Unkrautsamen unter der Schicht kommt, keimen auch weniger davon aus. Das erspart dir einiges an Arbeit.

Bodenverbesserung

Durch die Zersetzung des Mulchmaterials entstehen wertvoller Humus und Dünger. Dadurch trägt richtiges Mulchen auch zur Nährstoffversorgung in deinen Gemüsebeeten bei. Doch nicht nur deine Pflanzen freuen sich über zusätzlichen Nährstoff, auch Bodenbewohner wie Regenwürmer und Mikroorganismen werden ebenfalls gefördert.

Temperaturregulierung

Bei Hitze bleiben deine Beetböden kühler, bei Kälte kühlt er nicht zu schnell ab. Das Bedecken des Bodes schützt daher sowohl für Spätfrösten als auch vor Hitzewellen. Lediglich im Frühjahr kann eine zu dicke Schicht Mulch auf frostigem Boden dazu führen, dass die Sonne ihn nicht so schnell wie möglich wieder aufwärmen kann.

Erosionsschutz

Bei Starkregen wird der Boden nicht so schnell aufgeschwemmt und weggespült. Das Bodenleben darunter wird geschützt. 

Kreislaufsystem

Anfallenden Gartenabfall wie Rasenschnitt kannst du bestens wiederverwerten, indem du ihn einfach als Mulch um deine Pflanzen verteilst. Es wird dort einfach zersetzt und kann von Zeit zu Zeit erneuert werden.

Arbeitsersparnis

Da du weniger jäten und gießen musst, werden deine Gemüsebeete weniger arbeitsaufwendig. Das weitere Zerkleinern des Mulchs übernehmen die Bodenlebewesen für dich.

Biodiversität

Organischer Mulch fördert die Biodiversität im Boden enorm, da er unzähligen nützlichen Lebewesen wie Regenwürmern und anderen Bodenorganismen als Nahrung und schützender Lebensraum dient.

Nachteile der Mulchschicht

Mulchen kann leider auch Nachteile haben. Wie relevant sie für dich sind, hängt aber auch vom richtigen Mulchen und den individuellen Bedingungen in deinem Garten ab:

Schnecken lieben Mulch

Sie können sich tagsüber bestens unter dem Mulch verstecken, denn dort ist es schön kühl, feucht und dunkel. Am Abend kriechen sie dann wieder hervor und sind genau dort, wo sie gerne hin wollen (und wir sie definitiv nicht haben wollen): An den Gemüsepflanzen.
Ist der Schneckendruck bei dir eher hoch, kann mulchen also ein Nachteil sein – zumindest, wenn du nicht zusätzlich Schutzmaßnahmen gegen Schnecken hast.

Fehlende Atmungsaktivität und Verkrustung

Dieses Problem spricht nicht generell gegen das Mulchen, denn es tritt meistens nur auf, wenn die Schicht zu dick oder das Material zu feucht ist. Rasenschnitt beispielsweise kann zu einer harten, luftundurchlässigen Matte verkrusten. Dadurch kann die Schicht nicht mehr abtrocknen und schließt zu viel Feuchtigkeit ein. Die Folge: Es kommt zu Schimmel und Fäulnis, die auch auf den Stängel deiner Gemüsepflanzen übergehen und sie schädigen können. Zudem fehlt den Wurzeln im verdichteten Boden der nötige Sauerstoff.

Stickstoffimmobilisierung

Dieses Phänomen entsteht, wenn kohlenstoffreiches Material wie frischer Rindenmulch, Stroh oder Sägespäne in den Boden eingearbeitet werden. Durch diesen Fehler beim Mulchen stürzen sich die dortigen Bodenbakterien auf den Kohlenstoff, um das Holz zu zersetzen, benötigen für diesen Prozess aber gleichzeitig viel Stickstoff. Da im Holz selbst kaum welcher steckt, plündern die Bakterien die Stickstoffvorräte der umliegenden Erde. Dadurch ist der Nährstoff vorübergehend in den Mikroorganismen „eingesperrt“, sodass benachbarte Pflanzen leer ausgehen, unter akutem Stickstoffmangel leiden.

Einschleppen von Unkräutern

Wer beim Mulchen zu frischem Rasenschnitt mit bereits reifen Samenständen oder zu minderwertigem Heu greift, sät das Unkraut ungewollt selbst aus. Die feuchte Mulchschicht bietet den fremden Samen dann oft sogar die idealen Keimbedingungen, direkt über dem Beetboden. Statt den lästigen Wildwuchs zu unterdrücken, züchtet man sich so unbemerkt eine neue Generation an ungebetenen Gästen heran.

Richtig Mulchen mit dem richtigen Material

Eigenen Mulch herstellen ist in den meisten Gärten gar kein Problem. Als kostenloses Mulchmaterial bieten sich zahlreiche Gartenabfälle an. Geeignet sind:

Rasenschnitt

Er fällt beim Mähen in den meisten (Klein-)gärten an. Das Schnittgut kannst du direkt als Mulch weiterverwendem. Der Grasschnitt sollte aber ein Mulchschicht von maximal 5 cm nicht übersteigen.

Stroh 

Stroh eignet sich hervorragend für Erdbeerbeete und Gemüsearten wie Tomaten oder Zucchini, da es den Boden locker hält und die Früchte vor direktem Erdkontakt schützt. Da es sich nur langsam zersetzt, bleibt die Schutzschicht über die gesamte Gartensaison stabil. Allerdings entzieht es beim Abbau dem Boden Stickstoff, weshalb du vorher idealerweise Hornspäne in die Erde einarbeiten solltest.

Laub

Herbstlaub ist ein kostenloser und absolut natürlicher Bodenschutz. Es lockt massenweise Regenwürmer an, die das Laub in wertvollen Humus verwandeln und die Erde tiefgründig lockern. Besonders schwere Gartenböden können davon profitieren. Achte nur darauf, kein Eichen- oder Walnusslaub in großen Mengen zu verwenden, da deren Gerbstoffe das Pflanzenwachstum hemmen können.

Mischantus

Häcksel aus Miscanthus sind ein echter Geheimtipp und eine großartige, pH-neutrale Alternative zu Rindenmulch. Das Material verrottet nur sehr langsam, entzieht dem Boden kaum Nährstoffe und säuert ihn im Gegensatz zu Holz nicht an. Dank seiner extremen Saugfähigkeit speichert es Wasser wie ein Schwamm und schreckt Schnecken eher ab, da diese nicht gerne über die raue, trockene Oberfläche kriechen.

Mulchfolie

Die Mulchfolie tanzt ein bisschen aus der Reihe, denn sie ist keine Schicht aus organischem Material, sondern besteht meist aus dem Kunststoff Polyethylen (der nicht verrottet) oder seltener aus Maisstärke (was die Folie biologisch abbaubar macht).

Während Mulchfolie das Unkraut durch absoluten Lichtentzug perfekt unterdrückt, den Boden für eine frühere Ernte schnell aufheizt und Früchte sauber hält, bietet sie im Gegensatz zu organischen Materialien keinerlei Nährstoffe für den Humusaufbau. Zudem fördert die künstliche Barriere das Risiko von Hitzestau, verhindert das natürliche Versickern von Regenwasser, was den Einsatz von künstlichen Bewässerungssystemen unter der Folie nötig macht, und hinterlässt (bei der Variante aus Kunststoff) Mikroplastik im Garten.

Was sich nicht als Mulchmaterial im Gemüsebeet eignet

Holzhäcksel und Rindenmulch

Diese holzigen Materialien sind der Klassiker für dauerhafte Gartenwege oder Bereiche unter robusten Gehölzen, da sie Unkraut gut und langanhaltend unterbinden. Für Gemüsebeete sind sie jedoch weniger geeignet, da sie den Boden ansäuern und ihm bei der Zersetzung Stickstoff entziehen (vor allem, wenn sie in die Erde eingearbeitet werden).

Baumrinde

Im Gegensatz zu fertig verarbeitetem Rindenmulch enthält reine, frische Baumrinde oft noch einen sehr hohen Anteil an Gerbstoffen und Harzen. Diese Substanzen wirken als natürliche Wachstumshemmer, die verhindern sollen, dass fremde Samen auf dem Baum keimen – im Gemüsebeet blockieren sie dadurch jedoch die Wurzelentwicklung deiner Jungpflanzen. Zudem verrottet reine Rinde extrem langsam und entzieht dem Boden über Jahre hinweg wertvollen Stickstoff.

Grasnarbe

Wenn du beim Neuanlegen eines Beetes die Grasnarbe abschälst, solltest du sie nicht zum Bedecken des Bodens nutzen. Die darin enthaltenen Rasenwurzeln und Gräser sind extrem überlebensfähig; sie wachsen sofort wieder an und verwandeln dein Gemüse innerhalb kürzester Zeit in eine wilde Wiese. Zudem schleppst oft die Larven von Drahtwürmern oder Engerlingen ein, die mit Vorliebe die Wurzeln von Salat und Kartoffeln fressen.

Kies und Splitt

Was in sogenannten „Schottergärten“ modern sein mag, ist spätestens im Gemüsebeet fatal: Steine speichern tagsüber die Hitze extrem stark und geben sie nachts ab, was zu einer gefährlichen Überhitzung der Gemüsewurzeln führt. Zudem findet unter einer Kiesschicht keinerlei Humusaufbau statt, da Steine nicht verrotten und dem Bodenleben keine Nahrung bieten. 

Kompost

Kompost ist zwar der beste organische Dünger überhaupt, eignet sich jedoch nicht als klassische Mulchschicht zum Schutz des Bodens. Da er bereits fertig umgesetzt und extrem nährstoffreich ist, reduziert er Unkraut überhaupt nicht – im Gegenteil: Unkrautsamen finden im warmen, feuchten Kompost das perfekte Keimbett. Zudem würden die wertvollen Nährstoffe des Komposts durch Regen und Sonne ungeschützt ausgewaschen werden, weshalb er immer leicht in die Erde eingearbeitet und danach mit echtem Mulch abgedeckt werden sollte.

Fazit: Überwiegen die Vorteile die Nachteile?

Manche Gärtner schwören aufs Mulchen, andere haben den Mulch schon wieder komplett aus ihren Beeten geholt, weil die Schneckenplage dadurch eskalierte. Unterm Strich überwiegen die Vorteile aber trotzdem, vor allem wenn du nicht mineralisch, sondern organisch mulchst und damit auch gleich Bodenstruktur und Bodenfruchtbarkeit optimierst.

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